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Negativität nutzen und aufgeben

Eckhart Tolle - JETZT die Kraft der Gegenwart


Jeder innere Widerstand wird auf die eine oder andere Art als Negativität erfahren. Alle Negativität ist Widerstand. In diesem Zusammenhang sind die beiden Worte fast gleichbedeutend. Negativität reicht von Gereiztheit und Ungeduld bis zu heftigem Zorn, von einer depressiven Stimmung oder mürrischem Unmut bis zu selbstmörderischer Verzweiflung. Manchmal aktiviert der Widerstand den emotionalen Schmerzkörper, und dann kann schon der kleinste Anlass zu intensiver Negativität wie Wut, Depression oder tiefem Kummer führen.

Das Ego glaubt, dass es mit Hilfe von Negativität die Realität manipulieren und so seinen Willen durchsetzen kann. Es glaubt, dass es dadurch einen wünschenswerten Zustand erreichen oder einen unerwünschten Zustand auflösen kann. Immer wenn du unglücklich bist, glaubst du unbewusst, das Unglücklich sein verschaffe dir das, was du haben willst. Wenn „du“ – der Verstand – nicht an die Wirksamkeit des Unglücklich seins glauben würdest, warum würdest du es dann erschaffen? Tatsache ist natürlich, dass das Unglücklich sein nicht funktioniert. Statt den erwünschten Zustand anzuziehen, hindert es ihn am Entstehen. Statt den unangenehmen Zustand aufzulösen, hält es ihn fest. Seine einzige „nützliche“ Funktion ist es, das Ego zu verstärken, und deshalb ist das Ego in das Unglück verliebt.

Wenn du dich erst einmal mit irgendeiner negativen Einstellung identifiziert hast, willst du  nicht loslassen, und auf einer tief unbewussten Ebene willst du auch keine Veränderung zum Guten, denn das würde deine Identität als depressive, wütende oder übel behandelte Person gefährden. Du wirst dann das Positive in deinem Leben ignorieren, leugnen oder sabotieren. Das ist ein ganz übliches Phänomen. Das ist zugleich verrückt.

Negativität ist total unnatürlich. Sie verseucht die Psyche, und es gibt auch einen tiefen Zusammenhang zwischen der Verschmutzung und Zerstörung der Natur und der gewaltigen Negativität, die sich in der menschlichen Psyche angesammelt hat. Keine andere Lebensform auf diesem Planeten kennt Negativität, nur der Mensch, und  keine andere Lebensform vergewaltigt und vergiftet die Erde, von der sie erhalten wird. Hast du jemals eine unglückliche Blume, oder einen gestressten Eichbaum gesehen? Ist dir jemals ein depressiver Delphin begegnet, ein Frosch, der Selbstwertprobleme hat, eine Katze, die nicht entspannen kann, ein Vogel, der Hass und Groll mit sich herumträgt? Die einzigen Tiere, die gelegentlich eine Art Negativität erleben oder Anzeichen von neurotischem Verhalten an den Tag legen, sind die, die in engem Kontakt mit dem Menschen zusammenleben und dadurch am menschlichen Verstand und seinem Wahnsinn teilhaben.

Schau dir irgendeine Pflanze an, irgendein Tier und lass dir von ihnen beibringen, wie du das, was ist, annehmen kannst, wie du dich dem Jetzt hingeben kannst. Lass dir das Sein beibringen. Lass dir Integrität beibringen, das heißt eins zu sein, du selbst zu sein, echt zu sein. Lass dir das Leben und das Sterben beibringen und wie du leben  und Sterben kannst, ohne ein Problem daraus zu machen.

Ich habe mit mehreren Zenmeistern gelebt – alles Katzen …

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